Der Farbkreis – alles, was du wissen musst!

Farbenlehre – eine Einordnung

Als Farbenlehre bezeichnet man die Lehre von Systemen zur Ordnung von Farben, aber auch die Kunst, Farben richtig einzusetzen. Sie beschreibt, wie sich Farben miteinander vermischen und in welcher Wechselwirkung sie zueinander stehen. Die Ursprünge der Farbenlehre gehen bis ins Mittelalter zurück. Bereits damals haben sich die ersten Menschen mit der Wirkung von Farben auseinandergesetzt. Allen voran Leonardo da Vinci war von Farben fasziniert und versuchte sie in ein System zu bringen, um sie besser zu verstehen und greifbarer zu machen. Er vermutete, dass Gelb eine „einfache Farbe“ und Blau hingegen eine „Zusammensetzung aus Licht und Finsternis“ sei. Somit ist Leonardo da Vinci ein Vorreiter und Mitbegründer der Farbenlehre.

Der Farbkreis und sein Ursprung

Knapp 300 Jahre später griff Isaac Newton die Theorien von da Vinci auf und entwickelte den ersten Farbkreis. Er ließ Sonnenlicht durch ein Prisma fallen und stellte fest, das weißes Licht nicht nur rein ist, sondern sich beim Spalten in mehrere Farben bricht. Diese Erkenntnis bildet die Grundlage für den aus sieben Farben bestehenden Newtonschen Farbkreis, der kein Schwarz und kein Weiß beinhaltet. Auch Johann Wolfgang von Goethe begann Ende des 18. Jahrhunderts sich mit der Farbenlehre auseinanderzusetzen und entwickelte seinen eigenen Farbkreis. Dieser sollte sich grundlegend von den Theorien Newtons unterscheiden, denn für Goethe war weißes Licht etwas Reines und Farben entstanden für ihn aus der Wechselwirkung zwischen Helligkeit und Finsternis. Seine Farblehre baut auf einem elementaren Gegensatz zwischen Hell und Dunkel auf, wobei Gelb an der Grenze zur Helligkeit und Blau ander Grenze zur Dunkelheit liegt. Goethes Annahme dabei war es auch, dass eine Farbe erst im inneren Auge des Menschen entstehen würde. Heute wissen wir, dass Goethe zwar ein paar interessante Gedanken zur Farbwahrnehmung hatte, aber seine Darstellung des Lichts und der Entstehung von Farben nicht korrekt waren.

Der Farbkreis Itten

Es gibt noch weitere verschiedene Farbkreise, aber der heutzutage populärste und bekannteste ist der Farbkreis nach Itten aus dem Jahr 1961. Und das ist kein Zufall. Denn Johannes Itten hat es geschafft, mit wenigen Farben und einer verständlichen Darstellung die komplizierten Zusammenhänge von Farben einfach darzustellen. Seine Grundidee war es, dass alle Farben aus lediglich drei Hauptfarben gemischt werden können. Der Farbkreis nach Itten bildet auch die Grundlage für die folgenden Erläuterungen in diesem Artikel.

Wie viele Farben hat der Farbkreis nach Itten?

Der Farbkreis nach Itten verwendet insgesamt 12 Farben. Die Grundlage bilden die drei Primärfarben Blau, Rot und Gelb gefolgt von den Sekundärfarben Orange, Violett, umgangssprachlich auch Lila genannt, und Grün. Dazu kommen noch die sechs weiteren Zwischenfarben Gelbgrün (Gelb und Grün), Lilarot (Rot und Lila), Blaulila (Blau und Lila), Gelborange (Gelb und Orange), Rotorange (Rot und Orange) und Grünblau (Blau und Grün)

Farbkreis Komplementärfarben

In dem Farbkreis nach Itten liegen sich die Komplementärfarben, auch Ergänzungsfarben genannt, gegenüber. Es sind die Farben, die zueinander den größten Kontrast darstellen. Wenn man sie miteinander zu gleichen Teilen mischt, neutralisieren sie sich und ergeben einen Grauton. Stellt man Komplementärfarben „aufeinander“, kommt es zu einer sogenannten Kontrasterhöhung. So wirkt eine rote Tomate auf einem grünen Blattsalat um einiges roter, als wenn sie auf einem weißen Porzellanteller liegen würde. Die Komplementärfarben nach Itten sind:

Komplementärfarbe Blau → Orange

Komplementärfarbe Grün → Rot

Komplementärfarbe Gelb → Lila

Komplementärfarbe Orange → Blau

Komplementärfarbe Rot → Grün

Komplementärfarbe Blau → Orange

Die Primärfarben

Nach der Farbenlehre von Itten gibt es drei Primär- bzw. Grundfarben. Man bezeichnet diese auch als Farben erster Ordnung. Diese sind:


  • Rot 

  • Gelb 

  • Blau


Diese Farben können nicht aus anderen Farben zusammengemischt werden. Alle anderen wiederum lassen sich aus diesen drei Primärfarben mischen.

Die Sekundärfarben

Mischt man zwei Primärfarben im selben Verhältnis, entstehen die Farben zweiter Ordnung, auch Sekundärfarben genannt. Diese sind: 


  • Grün (Gelb und Blau)

  • Violett (Rot und Blau)

  • Orange (Gelb und Rot)

Die Tertiärfarben

Die Farben der sogenannten dritten Ordnung sind eine Mischungen aus einer Primär- und einer angrenzenden Sekundärfarbe:


  • Gelbgrün/Hellgrün (Gelb und Grün)

  • Rotorange (Rot und Orange)

  • Gelborange/Dunkelgelb (Gelb und Orange)

  • Blauviolett (Blau und Violett)

  • Blaugrün/Türkis (Grün und Blau)

  • Violettrot/Purpurrot (Violett und Rot

Hauptkontraste im Farbkreis von Itten


1. Hell-Dunkel-Kontrast
Einer helle Fläche wird neben einer dunkle Fläche positioniert. Beide zusammen intensivieren sich dadurch gegenseitig.


2. Farbton-Kontrast
Bekannt auch unter dem Namen Farbe-an-sich-Kontrast. Hier kommen mindestens zwei Farben in reiner und ungebrochener Form zusammen und erzeugen einen bunten, farbenfroher Kontrast.


3. Simultan-Kontrast
Wenn verschiedene bunte Farben direkt aneinander stossen direkt, kommt es zu einer optischen Reizüberflutung. In diesem Fall fehlt eine der Farben zugehörige Komplementärfarbe.


4. Kalt-Warm-Kontrast
Wir empfinden Blau- und Grüntöne als kalt, dagegen nehmen wir Rot-, Gelb-, oder Orangetöne als warm wahr. Je kälter etwas wirkt, desto weiter entfernt erscheint es. In der Kunst und Malerei wird dieser Kontrast oft eingesetzt, um Entfernungen darzustellen.


5. Qualitätskontrast
Diesen bezeichnet man auch als Intensitätskontrast und gibt an, wie rein Farben sind.   Mischt man eine sehr bunte und ungebrochene Farbe mit einer gebrochenen und stumpfen Farbe, ergibt sich eine schwächere Version der bunteren Farbe. Beim Zumischen von weißer Farbe ergibt sich eine kältere, aber immer hellere Farbe. Auch beim Zumischen von schwarzer Farbe entsteht dieser Qualitätskontrast, da Schwarz den Farben den Lichtcharakter nimmt.


6. Quantitätskontrast
Diesen Kontrast erhält man, wenn man verschieden große Farbflächen gegenüberstellt. Ein große gelbe Fläche zusammen mit einer kleinen blauen Fläche erzielt eine andere Wirkung, als umgekehrt.


7. Komplementär-Kontrast
Zwei Komplementärfarben grenzen aneinander – dadurch verstärken sich die Komplementärfarben durch ihre Leuchtkraft gegenseitig und wirken harmonisch im Auge des Betrachters.

Kritische Auseinandersetzung mit Ittens Farbkreis

Einige Kritiker werfen Itten vor, dass seine Primärfarben, also Rot, Gelb und Blau, bereits gemischte Farbtöne (Sekundärfarben) sind. Die Komplementärfarben ergeben kein Grau, wenn man sie mischt, sondern farbige Tertiärfarben. Aber auch das in dem Farbkreis nach Itten weder Weiß noch Schwarz vorkommt und er sie als Nichtfarben bezeichnet, wird kritisch gesehen. Diese Kritik ist auch berechtigt, da sich Ittens Farbkreis daher nur bedingt nachmischen lässt. Allerdings macht er die Verbindungen von Farben untereinander sehr deutlich und hebt die Bedeutung von primären, sekundären und komplementären Farben hervor. Diese beiden Punkte machen den Farbkreis nach Itten noch heute so relevant.

Der Farbkreis in der Anwendung

Nun haben wir allerhand Interessantes über den Farbkreis erfahren, aber wie wenden wir ihn nun tatsächlich in der Praxis an? Es braucht mehr als nur ein paar Ideen und Kreativität, um ein Kunstwerk auf die Leinwand zu bringen. Denn am Anfang steht da die Bildkomposition und die Farbzusammenstellung – Künstler*innen nennen das auch Farbschema. Und genau hier kommt der Farbkreis ins Spiel: Mit ihm kann man das Kunstwerk von A bis Z planen und malt nicht einfach nur drauf los. Denn eine stimmige Farbkomposition ist nicht nur Geschmackssache, sondern entscheidet elementar über die Wahrnehmung und den Ausdruck eines Kunstwerks. Mittlerweile gibt es sogar Schemata, die einen Betrachter automatisch ansprechen oder eher abstoßen:


1. Analoge Farbstrukturen

Hier wählt man eine Farbe aus dem Farbkreis und dazu die zwei direkten Nachbarfarben. Es entsteht ein harmonisches Zusammenspiel, welches sanft wirkt und keine großen Kontraste entstehen lässt.


2. Komplementäre Farbauswahl
Hier passiert das Gegenteil: Anstelle der direkt benachbarten Farben werden hier die Farben gewählt, die im Farbkreis gegenüberliegen. Für einen sanfteren und weniger kontrastreichen Effekt kann man im Farbkreis auch eine Farbe weiter runter oder hoch rücken.


3. Monochromatisch
Bei diesem Schema nutzt man eine Farbe und ihre verschiedenen Abstufungen, welche MIthilfe von Weiß und Schwarz aufgehellt beziehungsweise abgedunkelt werden. Dadurch entsteht auch hier ein harmonischen Farbbild.

4. Split-Komplementärkontrast

Wenn eine dominanten Farbe mit zwei weiteren angrenzenden Komplementärfarben kombiniert wird, spricht man vom Split-Komplementärkontrast. Es entsteht eine sanfte und kontrastreiche Farbverbindung. 


5. Triadisches Schema

Hierfür wählt man zuerst immer drei Farben, deren Abstände im Farbkreis zueinander gleich sind. Alle stehen im gleichen Winkel zueinander. Ergänzend dazu können weitere Farben ausgewählt werden, die ebenfalls nach dem selben Schema ausgewählt werden. Es entsteht eine kontrastreiche Farbwirkung, die auffällig ist, ohne aufdringlich zu wirken.


Farbenlehre bei ArtNight

Auch bei ArtNight spielt die Farbenlehre natürliche immer eine große Rolle. Unsere Künstler*innen zeigen dir Schritt für Schritt, welche Farben du für das entsprechende Motiv verwenden kannst, wie du diese am besten mischst und mit welchen Pinseltechniken du sie anschließend auf die Leinwand bringst. Dabei bleibt dir immer genügend Freiheit, deine eigenen Ideen umzusetzen und deiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Denn es ist dein Kunstwerk. 


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